24.04.2018 - 03.05.2018
Eine Pilgerreise nach Israel

Ein Reisebericht von Pfarrer Thomas Linnartz

Israel – Geruhsam entdecken

Mit dieser Einstellung machten sich 13 Teilnehmende auf den Weg nach Israel – und erlebten eine Pilgerreise mit vielen Höhepunkten und Erfahrungen ohne in Termindruck oder Drängeln zu verfallen.

Nach einem 4-stündigen Flug von Frankfurt nach Tel Aviv, das die Reisenden mit sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein empfing, ging es mit der örtlichen Reiseleitung in Richtung Norden zum See Genezareth. Ziel war das Kibbuzgästehaus in Ein Harod. Schnell fühlte man sich in dem Areal wohl und entdeckte auch selten vorkommende Dinge: Granatapfelbäume, wilde Disteln oder Kiebitze.

Ausflüge am See Genezareth

Die Brotvermehrungskirche mit ihrem markanten Mosaik, das vier Brote und zwei Fische zeigt, beeindruckte ebenso wie Kafarnaum am See, der Ort in dem der Apostel Petrus lebte. Noch heute zeugt die Ruine der Synagoge von der Bedeutung dieses Ortes. Natürlich durfte eine Mahlzeit mit gegrilltem Petrus-Fisch nicht fehlen. Weiter ging es zum Berg der Seligpreisungen. Die Landschaft tauchte während eines heranziehenden Gewitters in honigfarbene Pastelltöne, was die Landschaft eine besonders beruhigende Atmosphäre verwandelte. Geruhsam und mit neuen Eindrücken kehrte man zum Kibbuz zurück. Der nächste Tag startete geruhsam: eine kleine Bootsfahrt auf dem See Genezareth in einem der nachgebauten „Jesus-Boote“, weckte Bilder von dem wunderbaren Fischfang (Joh 21,1-14).

Nazareth

Ohne Hektik erreichte man Nazareth, den Ort mit dem höchsten Araberanteil in Israel heute – und den Ort, in dem der Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu verkündete. Groß und majestätisch ragte die Verkündigungskirche über den Ort. „Hic verbum caro factum est“ (Hier ist das Wort Fleisch geworden) konnte man in großen Buchstaben an der Kirche lesen. Nach einer kurzen Besichtigung, feierten die Reisenden gemeinsam in der „Weißen Kapelle“ einen Gottesdienst. Beeindruckt von den Ausmaßen der Kirche, spazierte man durch die Altstadt zur Gabrielskirche und Marienbrunnen, der Zeit Jesu einzigen Süßwasserquelle des Ortes. Nachsinnend über den Tag kehrte man zum Kibbuz zurück.

Auf zum Mittelmeer

In Caesarea Maritima, der von Herodes erbauten Hafenstadt mit Amphitheater und Hippodrom, konnte man die Größe und den Prunk der antiken Stadt erahnen. Weiter gen Norden erreichte man Akko. Altstadt, Zitadelle und unterirdische Gänge wurden besichtigt. An einigen Stellen konnte man sich den Alltag der alten Kreuzfahrerstadt plastisch vorstellen. Und so ging es vom Mittelalter in die Moderne – nach Haifa. Haifa ist die drittgrößte Stadt Israels und ist bekannt durch die Bahai-Gärten, die dem Stadtbild ein markantes Aussehen geben. Pulsierend und quirlig war der Eindruck dieser vom Hafen dominierten Stadt. Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensitzen und Erzählen war im Kibbuz nach dem Abendessen gegeben: gemütlich und entspannt.

Nächstes Ziel: Totes Meer

Das erste Etappenziel an diesem Tag der Pilgerreise Israel war Qumran. Der Ort, an dem 1947 ein Hirtenjunge durch Zufall einige der ältesten Texte des Alten Testamentes gefunden hat. Inmitten einer von Wüste und Wassermangel gekennzeichneten Umgebung lebten hier bis ins 1. Jahrhundert  n. Chr. die Essener, eine jüdische Glaubensgruppe. Beeindruckend war die Landschaft: in der Nähe die aufsteigenden Berge der Judäischen Wüste und in der Ferne das im Dunst erkennbare Tote Meer. Und so erreichte man das Tagesziel Ein Bokek am Toten Meer. Nach dem Zimmerbezug im Hotel hieß es: „Auf zum Baden im Toten Meer!“ Wie überrascht stellte mancher fest, dass das Salzwasser des Meeres tatsächlich den eigenen Körper trägt und untergehen unmöglich war und dabei wohltuend für die Haut.

Pilgern in Jerusalem

Vom Ölberg, der einen imposanten Blick auf die Stadt erlaubte, ging es zu Fuß den Palmsonntagweg hinab in Kidrontal. Das Kirchlein Dominus flevit mit Blick auf den Felsendom, der Garten Gethsemane mit seinen jahrhundertealten Olivenbäumen und die Kirche der Nationen mit ihren Mosaiken, waren weitere Besichtigungspunkte. Geruhsam wurden die Zimmer im Pilgerhaus des Deutschen Vereins vom Heiligen Land, gegenüber dem Damaskus-Tor bezogen.

Der nächste Morgen in Jerusalem wurde durch den Ruf der Muezzins von ihren Minaretten eingeleitet. Spätestens hier wurde deutlich, dass die Stadt eine Stadt der Religionen ist: orthodoxe Juden in ihrer Kleidung prägen das Bild wie auch christliche Kirchen mit ihren hohen Türmen. Nach dem Frühstück brach die Gruppe zum christlichen Viertel mit der Dormitio Abtei auf, eine von deutschen Benediktinern geführte Kirche. Der Ort, an dem der Legende nach die Gottesmutter Maria gestorben sein soll. Nach einer Besichtigung ging es zum nahe gelegenen Abendmahlsaal. Viele Menschen drängten durch den Eingang und den Saal. Hier soll Jesus mit seinen Freunden das Letzte Abendmahl gefeiert haben (Lk 22, 7-23). Die Gruppe setzte sich dann in Bewegung, um die Kirche St. Peter zum Hahnenschrei zu besuchen. Jesus soll in den Grotten unter der der Kirche gefangen gehalten worden sein.  Anhand eines großen Modells der Stadt konnte man sich einen Überblick über die Ausdehnung und Sehenswürdigkeiten von Jerusalem verschaffen. Zurückgekehrt in die Altstadt, bestand die Möglichkeit die Stadt selbst zu erkunden: Durch die Basare flanieren, dem bunten Treiben an den Brunnen zuzuschauen, einen Teil auf den Zinnen der Stadtmauer zu gehen, Händler beim Verkauf zu beobachten oder die vielen Eindrücke mit Auge, Nase und Ohr wahrzunehmen: Eine bunte, lebendige und multireligiöse Stadt – geruhsam erleben.

Der Bus brachte die Teilnehmenden am nächsten Tag zum Löwen- oder Stefanstor. Ein paar Schritte weiter stand man am Teich Bethesda, wo Jesus einen Gelähmten am Sabbat heilte (Joh 5, 1-15). In der nahen St.-Anna-Kirche, die bekannt für ihre gute Akustik ist, stimmte die Gruppe das Lied „Großer Gott, wir loben dich an.“ Und weiter ging es über die Via Dolorosa in Richtung Grabeskirche. Doch zuvor wurde im Österreichischen Hospiz bei herrlicher Aussicht auf die Altstadt „auf´s Dach gestiegen“ und eine Kaffeepause gehalten. Gestärkt führte der Weg auf der Via Dolorosa weiter zur Grabeskirche, dem Ort der Auferstehung Jesu – über eine Stunde geduldiges Warten bis zum Ziel. Natürlich durfte ein Innehalten und Gebet auf Golgota nicht fehlen. Dann wartete der Tempelberg mit der Klagemauer und dem Felsendom auf den Besuch der Gruppe. „So habe ich mir das nicht vorgestellt“, meinte eine Teilnehmerin, „so viele Menschen, so viel Geschichte, so viel Eindrücke…“ In der Tat steht man staunend vor den Orten der Geschichte und aktueller Ereignisse aus den Nachrichten.

Yad Vashem und Bethlehem

Der folgende Tag führte die Teilnehmenden nach Yad Vashem, der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust. Ausstellungsstücke, Augenzeugenberichte und Filme dokumentieren die Vertreibung, das Leid und die Ermordung der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und Europa. Das konnte keinen unberührt lassen. Wie erleichtert war man am Ende des Museums den weiten Blick in die Landschaft um Jerusalem zu genießen. Die Halle der Erinnerung und die Halle der Kinder beeindruckten durch ihre aussagekräftige Architektur. Mit nachdenklichen und betroffenen Gesichtern beförderte der Bus die Gruppe nach Bethlehem. Auch hier – viele Besucher: an einem Ort von hoher biblischer Bedeutung. Manche der Besucher versuchten den Stern in der Geburtskirche zu berühren, der die Stelle der Geburt Jesu kennzeichnet. Nach der Besichtigung der benachbarten Franziskanerkirche stieg man hinunter zur Grotte, in der der heilige Hieronymus die Bibel ins Lateinische übersetzte.

Ende der Pilgerreise ins Heilige Land

„Es war viel zu kurz, hier in Israel. Aber ich bin auch froh wieder zu Hause anzukommen. Aber wissen sie was? Ich hatte entgegen den in Deutschland gehörten Nachrichten hier keine Angst“, meinte jemand. Tatsächlich, die Gruppe hatte viele Erlebnisse, Sehenswürdigkeiten und Erfahrungen gemacht. Vieles wird man zu Hause erzählen können, aber auch in der Erinnerung halten, sich erfreuen.

Mir bleibt in Gedanken der Blick vom Ölberg auf die Stadt Jerusalem mit der Stadtmauer, der goldenen Kuppel des Felsendoms, die vielen verwinkelten Häuser, und der blaue Himmel in Erinnerung:

Israel – geruhsam entdeckt.

Text: Thomas Linnartz / Schmelz, 16.05.2018

Ansprechpartner/in
Michelle Fischer
0651/ 97555-12